Stuhlbau früher und heute

Stuhlbau früher und heute bei Schnieder

Stuhlbau seit 1918 in Lüdinghausen

Auch wenn die Stuhlfabrik Schnieder heute immer noch in handwerklicher Tradition Stühle herstellt, liegen zum Stuhlbau vor knapp 100 Jahren riesige Welten. Früher hat Schnieder im Wald ganze Bäume eingekauft und ließ sie im Sägewerk vor Ort auf die gewünschten Maße sägen. Das Holz trocknete auf dem eigenen Holzplatz der Fabrik in Lüdinghausen. Leider fiel bei dem so genannten „Rundholz“ viel Abfall an. Der hohe Anteil an Kernholz war mit seiner lebhaften Maserung zwar als Tischplatte ein echter Eyecatcher, aber nicht für helle Stuhlgestelle geeignet. Auch Risse im Baum führten dazu, dass viel zu viel teuer eingekauftes Holz in der Feuerung landete.

Stuhlbau früher Stuhlfabrilk Lüdinghausen

Der Stuhlbau in früheren Zeiten verzieh manche Ungenauigkeit. Vieles wurde im Nachhinein ausgeglichen.

Einzelne Fertigungsschritte für einen Stuhl

Viele einzeln vorproduzierte Teile setzte man gleich einem Puzzle zu einem Stuhl zusammen. Sie wurden einzeln bearbeitet, gelagert und zum Zusammenbauen wieder hervorgeholt. Dadurch waren die Verbindungen natürlich weniger passgenau als heutzutage. Was nicht mit Fräsen erreicht wurde, glich die Schleifmaschine aus. Runde Ecken wurden im Nachhinein geschliffen, Formteile mit einer Bandsäge zu Pass gebracht. Kein Stuhl war wie der andere. Allerdings war auch die Konstruktion der Stühle darauf abgestimmt: Weil die Rückenbretter einfach angeschraubt wurden, mussten sie nur an zwei Stellen passgenau sein.

Leim mit langen Trocknungszeiten

Auch Leim überbrückte Toleranzen. Jeden Tag wurde die benötigte „Ration“ an Knochen- bzw. Kasein-Leim warm angesetzt. Die so genannte „offene Zeit“, in der der Leim trocknete, dauerte sehr lange.

Holzeinkauf heute

Heute kauft die Stuhlfabrik das Holz in der gewünschten Qualität und Abmessungen für die Fertigung ein. Die Teile haben schon etwa die Maße eines Vorder- oder Hinterbeins von einem Stuhl. So werden natürliche Ressourcen und auch die Umwelt geschont.

Stuhlherstellung in einer Aufspannung

Der Schwerpunkt der Stuhlherstellung liegt in der präzisen Bearbeitung der Oberfläche. Die gewünschte Form sowie die Optik eines Stuhls entstehen durch Biegen, Fräsen, Schleifen, Bürsten, Lasieren und Lackieren. All diese Arbeiten werden möglichst in einer Aufspannung durchgeführt, so dass automatisch eine hohe Passgenauigkeit entsteht. Bei Zusammenfügen verwendet man ausschließlich industriell hergestellte Weißleime, die durch Wasserverdunstung schnell dauerhafte Verbindungen ermöglichen. Die Zapfen werden zuvor gepresst und quillen mit dem Leim wieder auf. Es ist also kein Wunder, dass Schnieder-Stühle mehrere Gastronomie-Generationen überdauern.

„Ich glaube, dass die Kunden von heute sich nicht mehr mit den Stühlen zufrieden geben würden, die wir damals erzeugt haben. Sie erwarten identische Produkte, die jederzeit replizierbar sind“, kommentiert Prof. Reinhard Grell, Gesellschafter der Stuhlfabrik Schnieder und Dekan an der Hochschule OWL.

Stuhlbau früher Gastronomiestuhl

Alter Binsenstuhl

Passgenaue Fertigung

Replizierbarkeit wird heute beispielsweise durch Kopierfräsen garantiert. Sie bringen jedes Teil exakt in die gewünschte Form. Auch die früher „rund geschliffenen“ Ecken entstehen durch eine Fräskontour. Maschinelle Arbeitsschritte führen zu hoher Passgenauigkeit. Das gibt dem Gastronomiestuhl eine optimale Stabilität und Langlebigkeit. Auf diese Weise ist auch die Vorfertigung von Baugruppen möglich. Das Schleifen ist deutlich reduziert auf den oberflächennahen Schliff, damit sich der Stuhl wie ein Handschmeichler anfühlt. Hier ist insbesondere die Erfahrung der langjährigen Mitarbeiter gefragt, die das Holz „mit viel Gefühl“ behandeln. So entstehen Gastronomiestühle, die über Jahre höchsten Belastungen standhalten.

ÜberSilvia Rütter

Kommunikation mit Herzblut - dafür steh ich seit über 10 Jahren. Ich betreue die PR-Arbeit für die Stuhlfabrik Schnieder und für andere Kunden aus verschiedenen Branchen.

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