Opel Blitz Oldtimer 100 Jahre Schnieder

100 Jahre Stuhlfabrik Schnieder in Deutschland

 

„Wir kaufen schon lange keine Baumstämme mehr“

100 Jahre Stuhlfabrik Schnieder in Deutschland

Seit 1918 stellt die Stuhlfabrik Schnieder hochwertige Gastronomiemöbel Made in Germany her. Stühle, Bankanlagen, Tische, Barmöbel, Lounge- und Outdoormöbel und Accessoires werden am westfälischen Standort Lüdinghausen gefertigt. Trotz hohen Wettbewerbsdrucks aus dem Ausland hat es die Fabrik geschafft, in diesem Jahr ihr 100-jähriges Firmenjubiläum zu feiern. Wie wird man 100? Ein Interview mit Gesellschafter Reinhard Grell.

Wie schafft es ein Unternehmen in der heutigen Zeit, 100 Jahre alt zu werden?

Reinhard Grell: Zweifellos gehört eine Stuhlfabrik mit ihren Produkten zur „Old Economy“. Und doch liegen Tradition und Innovation sehr nahe beieinander. Denn wenn wir unser Programm nicht alle fünf Jahre erneuern, werden wir den 200sten Geburtstag nicht mehr erleben. Nicht viele Unternehmen der Möbelbranche werden 100 Jahre alt. Unser Erfolgsrezept besteht darin, dass wir alle Schritte vom Rohmaterial Holz über die Fertigung und den Vertrieb bis zur Montage beim Kunden in der Hand haben. Heute sind wir zwar kein Familienunternehmen mehr, aber wir verstehen uns aus der Tradition heraus als solches. Das gilt insbesondere für unsere Mitarbeiter, die mit Herzblut bei der Arbeit sind. Pflichtbewusstsein und konservative Werte prägen uns sowohl in der Produktion als auch bei Entscheidungen in der Geschäftsführung. Ideal ist es, wenn Investitionen aus dem Cash-Flow kommen.

Zentrale Erfolgsfaktoren sind aber auch die Leidenschaft und das fachliche Know-how – für den Werkstoff, die Gestaltung und auch die wirtschaftliche Komponente. Wir haben den Vorteil, dass wir das fachliche Wissen für Produktentwicklung, Controlling und Vertrieb durch die Gesellschafter Christian Hugot, Michael Merten und meine Person im Gesellschafterkreis vereint haben. Viele mittelständische Unternehmen glauben, sie können alles alleine. Wir holen uns bei Bedarf fachliches Know-how von außen dazu, denn neue Impulse sind enorm wichtig für unsere Weiterentwicklung.

 

Wer gehört zu Ihrem Kundenkreis?

Reinhard Grell: Wir sind überall präsent, wo gesessen und gegessen wird – von der Kantine bis zum Sterne-Restaurant. Zu unseren Kunden gehören Unternehmen, die die Verlässlichkeit sowie die Qualität unserer Produkte schätzen. Oft sind es Familienunternehmen, die den hohen Qualitätsanspruch mit uns teilen. Der Anteil unserer Stammkunden liegt nicht umsonst bei 80%. Das hat aber auch mit den Vertriebsmitarbeitern zu tun, die ihre Einrichtungsberatung ganzheitlich sehen und den Kunden Tipps zur Gestaltung des Bodens und der Wände geben, auch wenn es nicht ihre Kernaufgabe ist.

Unsere Vertriebsmannschaft Familienfest
Familienfest 100 Jahre Stuhlfabrik Schnieder, unsere Vertriebsmannschaft

Wir positioniert sich Ihr Unternehmen im Markt?

Reinhard Grell: Nach vielen Unternehmensschließungen in den vergangenen Jahren und insbesondere in 2017 müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass wir in unserem Marktsegment als Hersteller in Deutschland vermutlich alleine sind. Es gibt noch einige kleine Unternehmen, mit denen wir in Kontakt stehen, doch nach oben ist die Luft dünn geworden.

Die Möbelproduktion ist sehr personalintensiv, und die Stuhlherstellung ist dabei die personalintensivste Fertigung. Im Laufe der Jahre haben wir in moderne Technik investiert, was nicht zu einem Abbau, sondern zu einem Ausbau der Belegschaft geführt hat. Die Mitarbeiter werden nur anders eingesetzt, nicht mehr an der Schleifmaschine, sondern am PC zur Programmierung. Natürlich setzen wir uns mit dem Thema Industrie 4.0 auseinander. Den 3-D-Holzdruck gibt es bereits. Doch wenn wir irgendwann nur noch Daten und keine Ware mehr verschicken, sollten wir uns anders orientieren. Derzeit erleben wir eine Renaissance des Holzstuhls. Generell entscheiden sich die Deutschen eher für ein Sitzmöbel aus Holz als aus Plastik oder Stahlrohr. Daher werden wir uns weiterhin auf die Fertigung von Holzstühlen konzentrieren.

 

Wer ist Ihr Wettbewerb?

Reinhard Grell: Generell sind die Kunden heute viel besser informiert als vor 30 Jahren. Über soziale Medien und das Internet gilt es heutzutage, sich Informationen und Preise einzuholen, ohne sich direkt an einen Händler oder Hersteller zu wenden. Es gibt auch gute Hersteller im Ausland, wie Polen und Tschechien, die zweifellos ihr Handwerk verstehen.

 

Dennoch tut sich der Möbelhandel immer noch schwer über das Internet. Denn spezielle Fragen nach der Kompatibilität von Stuhl- und Tischhöhe, Härtegraden von Polstern oder Sonderbezügen bleiben meist unbeantwortet. Zudem lässt sich die Bequemlichkeit eines Stuhls nicht digital erfassen. Unsere Stärke ist, dass wir ganze Einrichtungskonzepte in Abstimmung mit dem Innenausbauer, Architekten oder Ladenbauer anbieten.

 

Welchen Veränderungen muss sich Ihr Unternehmen stellen?

Reinhard Grell: Gesessen wird immer. Daher werden wir auch noch in 20 Jahren Stühle bauen. Aber die Arbeit hat sich verändert und wird sich noch mehr wandeln. Früher wurden die Vertriebsmitarbeiter an ihren gefahrenen Kilometern gemessen. Das hat sich inzwischen drastisch reduziert. Die Produktion wird zunehmend über Computer gesteuert. Wir kaufen auch schon lange keine Baumstämme mehr ein, sondern direkt zu verarbeitende Schnitthölzer. Die Berufsbilder werden sich sicher noch stärker verändern. Vielleicht sind in 20 Jahren weniger Mitarbeiter in der Fertigung, dafür mehr am Rechner tätig. Dadurch können wir wiederum jungen Menschen interessante Perspektiven bieten. Wir brauchen junge, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch Ingenieure und Ingenieurinnen, um die Aufgaben der Zukunft anzugehen, denn vor uns liegen große Herausforderungen.

CNC Produktion Stühle Hocker
Stuhlfabrik Schnieder Produktion Stühle und Hocker

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